„Divest-Reinvest”-Toolkit

für katholische Gemeinden

 

„Das Klima ist ein gemeinschaftliches Gut von allen und für alle.”

[…] Laudato Si’, Papst Franziskus

 Einführung

Ein Glaube, der seinen Inhalten gerecht wird

Über viele Jahrhunderte hinweg folgt die Kirche nun schon dem Aufruf, für Menschen am Rande der Gesellschaft da zu sein, weil sie darin die Verwirklichung unseres Auftrags als Glaubensanhänger Christi sieht. Die „bevorzugte Option für die Armen” ist eines der Grundprinzipien der katholischen Soziallehre und das angestrebte Ziel besteht darin, soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit zu schaffen. Auch ist im Laufe des vergangenen Jahrhunderts eine Lehre entstanden, die uns unsere Verantwortung für die Vielfalt des Lebens auf diesem Planeten einschließlich aller lebenswichtigen Ökosysteme als ein für die Katholik*innen wesentliches Anliegen ins Bewusstsein ruft. Diese moderne Lehre beeinflusst Überlegungen dazu, wie Geld investiert werden sollte.

 

In seiner im Juni 2015 veröffentlichten Enzyklika Laudato Si’: Über die Sorge für das gemeinsame Haus erklärt Papst Franziskus sehr genau, wie Umweltzerstörung und das Streben nach Gerechtigkeit miteinander zusammenhängen. In Laudato Si’ wird deutlich, dass die Schöpfung als zentraler Bestandteil für das Ausleben des christlichen Glaubens ein wichtiges Anliegen ist.

 

Seine Heiligkeit äußert in Laudato Si’ sehr explizit, dass die Verbrennung fossiler Brennstoffe wesentlich zur Erderwärmung beiträgt und es daher unsere Verantwortung ist, so bald wie möglich zu erneuerbaren Energiequellen überzugehen. „Wir wissen, dass die Technologie, die auf den sehr umweltschädlichen fossilen Brennstoffen – vor allem von Kohle, aber auch von Erdöl und, in geringerem Maße, Gas – basiert, fortschreitend und unverzüglich ersetzt werden muss.” [165] Laudato Si’, Papst Franziskus

 

Mit der Veröffentlichung der Umweltenzyklika wurde jeder Mensch auf diesem Planeten eindringlich dazu aufgefordert, über Wege des eigenen Engagements in der Welt nachzudenken, die durch die Gefahr wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Krisen verändert wird. Viele gläubige Katholik*innen verhalten sich nun vorbildlich, indem sie ihren Konsum reduzieren und einen nachhaltigen Lebensstil annehmen, der Technologien erneuerbarer Energieträger einschließt. Doch wer nicht genau darauf achtet, wie Geld investiert wird, riskiert mit hoher Wahrscheinlichkeit, dass er unwissentlich genau die Praktiken unterstützt, die unseren Planeten zerstören.

Was dich in diesem Toolkit erwartet

 

Das Divestment-Toolkit enthält einen Wegweiser, Tools und Ressourcen für Katholik*innen, die sich für den Dialog über und die Unterstützung von Divestment auf Ebene von Familie, Organisationen oder Gemeinschaften interessieren. Letztere können von Orden, kleinen Pfarreien und bischöflichen Fonds bis hin zu größeren Organisationen wie Wohlfahrtsverbänden, Krankenhäusern, Erzbischöflichen Hilfs-Fonds, katholischen Universitäten, Pensionskassen, Versicherungs- oder Rentenfonds reichen. Das Toolkit ist zwangsläufig allgemein gehalten. Daher musst du die Prinzipien und Abläufe deinem eigenen Kontext anpassen.

 

Eines der Ziele ist das Abziehen von Anlagen in die Kohle-, Öl- und Gasindustrie. Es ist auch wichtig, dass du hinter der Position stehst, die du vertrittst, und dies erfordert Ausdauer über eine längere Zeit hinweg. Dieses Toolkit wird dir dabei helfen, deine eigene Roadmap auszuarbeiten und den Weg hin zu deinem Ziel zu entwickeln.

 

Der Schwerpunkt dieses Toolkits liegt mehr auf Divestment als auf Reinvestition. Divestment und Reinvestition verfolgen zwei unterschiedliche Zielsetzungen. Divestment birgt das Potenzial, in der Gesellschaft die Akzeptanz von Unternehmen in Frage zu stellen, die fossile Brennstoffe fördern und derzeit – zum Nachteil des Lebens auf dieser Welt – so reich und mächtig sind. Obwohl es vor allem darum geht, Stellung zur Frage der sozialen und ökologischen Gerechtigkeit zu beziehen, handelt es sich um einen eher einfachen Prozess. Dagegen ist Reinvestition in kohlenstoffarme Technologien ein weiterer und komplexerer Schritt. Bei der Reinvestition geht es eher darum, dafür zu sorgen, dass die Gelder deines Verbands in Unternehmen fließen, die nützlich für die Gesellschaft sind.

 

Jeder dieser beiden Prozesse hat mit ziemlicher Gewissheit lange Umsetzungszeiten. Hier ist unbedingte Zielstrebigkeit gefragt. Auch können erhöhte Kosten für eine Organisation entstehen. Möglicherweise werden mehr Expertise im Bereich Investitionsmanagement oder Änderungen der Personalstruktur erforderlich. Besonders die Personen, die für das Management der Investitionen Verantwortung tragen, werden anfangs mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen, dass derartige Umstellungen unmöglich sind. Daher müssen die Verfechter*innen demonstrieren, dass sie sich nicht so leicht geschlagen geben.

Grundwissen aufbauen

 

Der erste Schritt zum Erfolg besteht darin, eine solide Wissensgrundlage zu schaffen, um in deiner Gemeinde oder Organisation Unterstützung aufzubauen. Was waren einige deiner ersten Fragen zum Thema Divestment? Welche Fragen deiner Gemeinde zu Divestment sind dir bekannt?

 

Je mehr du über deine religiöse Tradition und institutionelle Strukturen lernen kannst, umso besser bist du ausgestattet, um deine Gemeinde in Richtung Divestment zu führen. Los geht’s!

Divestment verstehen

 

Divestment und der damit einhergehende Ablauf bzw. das damit verbundene öffentliche Engagement sind eine Möglichkeit, den gesellschaftlichen Moralkodex neu zu definieren. So betrachtet ist Divestment nicht nur für religiöse Institutionen ein Mittel, um die eigene Integrität zu wahren oder auf hartnäckigen Widerstand zu reagieren. Es geht darum, der betreffenden Industrie die Legitimierung abzusprechen und sie zu „denormalisieren”, indem eine moralische Wende in der Gesellschaft eingeleitet wird. Dies wiederum ermutigt oder zwingt Führungspersönlichkeiten aus der Politik dazu, über Themen zu sprechen, denen sie zuvor aus dem Weg gegangen sind.

 

Auf den Punkt gebracht ist Divestment eine Strategie von Investor*innen, ihre Gelder aus ethischen Gründen aus Unternehmen eines bestimmten Industriezweigs abzuziehen, die ihrerseits bestimmte Beschäftigungs-, Sozial- und Umweltpraktiken verfolgen oder in einem bestimmten geographischen Gebiet angesiedelt sind. Es geht um den Ausschluss ausgewählter Firmen von den Investitionen einzelner Personen oder von Organisationen, die diese Firmen als unethisch erachten. Hierbei handelt es sich normalerweise um einen mehrstufigen Prozess, bei dem die Gelder aus einem bereits bestehenden, konventionelleren in ein alternatives Portfolio überführt werden. Zunächst werden Unternehmen ausgeschlossen, die in direktem oder engem Kontakt zu der als unethisch eingestuften Branche stehen. In den darauf folgenden Phasen werden dann die Unternehmen ausgeschlossen, die in einer weniger direkten oder nur indirekten Verbindung zu der betreffenden Industrie stehen.

 

In unserem konkreten Fall ist die unethische Branche die Kohle-, Öl- und Gasindustrie mitsamt der dazugehörigen Infrastruktur einschließlich der Pipelines und des Transports. Es gibt unterschiedliche Entscheidungen über die Arten von Divestment. Diese reichen von „vollständig” bis „teilweise” oder schließen bestimmte Kategorien von Investitionen aus.

 

Die Divestment-Kampagne gegen fossile Brennstoffe startete nach der Veröffentlichung des Berichts der Carbon Tracker Initiative im Jahr 2012 mit dem Titel: „Unburnable Carbon” (Unbrennbare Kohle). Die in dem Bericht enthaltene Analyse gab Aufschluss darüber, wie viel CO2 die Atmosphäre noch aufnehmen kann, bevor der (damals) vereinbarte Schwellenwert von 2° C Klimaerwärmung überschritten wird. (Mittlerweile spricht man eher von 1,5° C.) Die maximale CO2-Menge, die noch emittiert werden kann, beträgt weniger als 400 Gigatonnen. Das Gesamtvolumen der nachgewiesenen Reserven im Besitz von Unternehmen und Regierungen ist etwa sechs Mal höher. So weiter zu machen wie bisher würde bedeuten, dass dieses „Kohle-Budget” in nur 10 Jahren (ab Veröffentlichungsdatum) aufgebraucht wäre. Da wir nicht einfach von heute auf morgen komplett auf fossile Energieträger verzichten können, müssen wir sofort anfangen, weniger davon zu fördern und zu verbrennen.

Trotzdem stellen sich Bergbauunternehmen nicht um. Im Gegenteil geben sie weiterhin Milliarden für die weitere Erschließung und unkonventionelle Förderung fossiler Brennstoffe wie Teersand und Flözgas aus, die noch umweltgefährdender sind als konventionelle Brennstoffe. Daher haben sich Umweltschützer*innen mit dem dringenden Appell an Investor*innen gewandt, dem Markt ein Signal zu setzen, dass solche Bergbauunternehmen inakzeptable Risiken für das Leben auf unserem Planeten verursachen.

 

Über 80 prominente Theolog*innen, Ethiker*innen und Religionsführer*innen, einige davon katholisch, haben eine Erklärung zur Unterstützung von Divestment aus fossilen Brennstoffen und Reinvestition in saubere Energien durch Glaubensgemeinschaften unterzeichnet. Unter ihnen ist auch Erzbischof Desmond Tutu.

Erklärung von Theolog*innen für Divestment aus fossilen Brennstoffen

Unterzeichner*innen

 

Bei seinem Besuch auf den Philippinen im Januar 2015 übergab Caritas Philippines, ein Organ der katholischen Bischofskonferenz der Philippinen, Papst Franziskus ein eindringliches Schreiben. Darin baten sie um die Unterstützung des Papstes für ein Ende der Investitionen in Unternehmen der Kohle-, Öl- und Gasindustrie sowie in umweltzerstörende Projekte.

 

„Die Divestment-Bewegung spielte eine Schlüsselrolle bei der Befreiung Südafrikas. Die Unternehmen haben die Logik des Geldes verstanden, wenngleich sie sich nicht vom Gebot der Moral haben bewegen lassen. Der Klimawandel ist natürlich auch eine tief moralische Frage. Hier in Afrika sind wir Zeugen, wie grausam die Menschen unter immer schwereren Dürreperioden, steigenden Lebensmittelpreisen und Überschwemmungen leiden, obwohl sie überhaupt nichts zur Entstehung der Situation beigetragen haben. Wieder können wir vereint als eine Welt auftreten und an den Stellen Druck ausüben, wo dies nötig ist.” – Erzbischof Desmond Tutu  

Lerne die Inhalte der katholischen Soziallehre zum Thema Schutz von Mensch und Umwelt sowie ihr Verhältnis zu Divestment kennen

 

 

Klimawandel als eine Frage der sozialen Gerechtigkeit

Der Klimawandel ist eine Frage der sozialen Gerechtigkeit, da schwache Gemeinschaften, vor allem der Zwei-Drittel-Welt, am ehesten und am schwersten von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind, z. B. steigenden Meeresspiegeln, extremen Wetterereignissen und Beeinträchtigungen des Klimasystems. Sie verfügen nur über sehr begrenzte Mittel, mit deren Hilfe sie sich anpassen oder regenerieren können. Daher sind sie der Zerstörung ihres Lebens und ihrer Existenzgrundlage, Ernährungsunsicherheit, Umsiedlung usw. ausgeliefert. Zu der Umweltzerstörung, für die sie den Preis zahlen, haben sie nichts beigetragen. Auch künftige Generationen werden einen hohen Preis bezahlen müssen, obwohl sie das Problem gar nicht geschaffen haben.

 

In der Zwischenzeit profitieren reiche Unternehmen und Einzelpersonen von den Gewinnen, die die Investitionen in fossile Brennstoffe abwerfen, und leisten sich einen verschwenderischen Lebensstil, was unverhältnismäßige Treibhausgasemissionen verursacht.

 

Lehren aus Laudato Si’

Schlüsselzitate von Papst Franziskus zum Umweltschutz

 

„Laudato Si’: Über die Sorge für das gemeinsame Haus” hat einen definitiven Meilensteincharakter. Laudato Si’ beleuchtet die vielen Dimensionen von Umweltzerstörung in unserer Welt. Doch ganz im Sinne der katholischen Soziallehre ist die Gerechtigkeit das zentrale Anliegen.

Die Erderwärmung ist ein wiederkehrendes Thema in der Enzyklika. „Darum ist es dringend geboten, politische Programme zu entwickeln, um in den kommenden Jahren den Ausstoß von Kohlendioxid und anderen stark verunreinigenden Gasen drastisch zu reduzieren, zum Beispiel indem man den Gebrauch von fossilen Brennstoffen ersetzt und Quellen erneuerbarer Energie entwickelt.” (LS 26)

“„Wir wissen, dass die Technologie, die auf den sehr umweltschädlichen fossilen Brennstoffen – vor allem von Kohle, aber auch von Erdöl und, in geringerem Maße, Gas – basiert, fortschreitend und unverzüglich ersetzt werden muss. […] Politik und Unternehmertum reagieren langsam, weit davon entfernt, den weltweiten Herausforderungen gewachsen zu sein.” (LS 165)

Doch es geht nicht nur um das „langsame Reagieren”, denn Papst Franziskus spielt auf ein absichtliches Manipulieren von Informationen durch die Kohle-, Öl- und Gasindustrie im Hinblick auf eine Einflussnahme bei Klimaverhandlungen an. Die Unterwerfung der Politik unter die Technologie und das Finanzwesen zeigt sich in der Erfolglosigkeit der Weltgipfel über Umweltfragen. Es gibt allzu viele Sonderinteressen, und leicht gelingt es dem wirtschaftlichen Interesse, die Oberhand über das Gemeinwohl zu gewinnen und die Information zu manipulieren, um die eigenen Pläne nicht beeinträchtigt zu sehen.” (LS 54)

Papst Franziskus lobt Bürgergruppen und Nichtregierungsorganisationen, die sich für den Umweltschutz einsetzen. Er befürwortet Verbraucherboykotte, die „auf das Verhalten der Unternehmen ändernd einwirken und sie zwingen, die Umweltbelastung und die Produktionsmuster zu überdenken. Es ist eine Tatsache, dass die Unternehmen, wenn die Gewohnheiten der Gesellschaft ihre Rendite gefährden, sich genötigt sehen, ihre Produktionsweise zu ändern. […] ,Das Kaufen [ist] nicht nur ein wirtschaftlicher Akt, sondern immer auch eine moralische Handlung.’” (LS 206)

Zu der Frage nach alternativen und ethischen Investitionen sind „Die Anstrengungen für eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen […] kein nutzloser Aufwand, sondern eine Investition, die mittelfristig andere wirtschaftliche Gewinne bieten kann.” (LS 191)

In seiner Enzyklika geht Papst Franziskus nicht explizit auf Fragen ethischer Investitionen ein. Allerdings können aus zahlreichen darin enthaltenen Lehren durchaus gewisse Schlussfolgerungen gezogen werden. Sie bilden eine solide Grundlage für die Forderung, dass sowohl das Divestment aus fossilen Brennstoffen als auch Investitionen in kohlenstoffarme Technologien die ethischsten Alternativen für Investor*innen darstellen.

Katholische Verbände, die bereits Divestment betreiben

 

Im Juni 2015 fasste die Jesuit University, Georgetown als zweite katholische Universität nach Dayton den Beschluss, ihre Investitionen aus Unternehmen abzuziehen, die in erster Linie Kohleabbau betreiben.[1]

 

Hier findest du die vollständige Liste aller katholischen Organisationen, die in irgendeiner Weise Divestment aus fossilen Brennstoffen betreiben (letzter Stand: 18. Juni 2016):

Vier religiöse Orden in Australien:

  • Die Passionisten in Australien, Neuseeland, Papua Neuguinea und Vietnam
  • Die Maristenschwestern, Australien
  • Presentation Congregation Queensland
  • Presentation Sisters, Wagga Wagga

 

Auf den Campus unterschiedlicher katholischer Universitäten, u. a. dem Boston College und der Fordham University, organisieren Student*innen Divestment-Kampagnen. Wissenschaftler*innen an verschiedenen katholischen Einrichtungen haben ein aktives Interesse bekundet.

 

Arabella Advisors haben eine tolle Ressource mit dem Namen Assets in Action geschaffen mit ausführlichen Fallstudien katholischer Organisationen, die sich für Divestment aus fossilen Brennstoffen entschieden haben. Dies sind die Franciscan Sisters of Mary und die Dayton University.

Investitionswerte und -praktiken katholischer Verbände  

 

  • Lies den Artikel Catholic Investment Principles Today (nur auf Englisch) auf der Website von ARRCC über das Entwerfen einer umfassenden ethischen Investmentpolitik.

    Hat dein Verband bereits bestimmte Industrien von seinen Investitionen ausgeschlossen? Viele religiöse Einrichtungen investieren z. B. nicht in Tabak, Alkohol, Waffen, Erwachsenenunterhaltung und Glücksspiel.

     

    Die Inhalte der katholischen Soziallehre unterstützen den Vorgang, Investitionen insbesondere in die Kohle-, Öl- und Gasindustrie auszuschließen. Jedoch haben katholische Investor*innen ihre Auffassung von ethischen Anlagepraktiken im Allgemeinen bisher noch nicht geprüft.

    Viele der betroffenen Investor*innen katholischer Einrichtungen verfolgen das Ziel der Einhaltung der ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) sowie der UN-Prinzipien für verantwortliches Investieren. In ihrem Aufsatz Catholic Investment Principles Today (Katholische Investitionsprinzipien von heute) legen Howell, Ormerod und Remond nahe, dass diese Prinzipien nicht länger ethisch ausreichend oder wissenschaftlich fundiert seien. Selbst wenn Investor*innen zusätzliche Rahmenregelungen anwenden, hat die Interpretation von „ethischer Investition” oder „sozial verantwortlicher Investition” für gewöhnlich Investitionen in die Bergbauindustrie und den Transport fossiler Rohstoffe nicht ausgeschlossen. Die ESG-Kriterien und die UN-Prinzipien für verantwortliches Investieren basieren auf einer „schwachen Definition” des Schutzes von Umwelt und Gesellschaft.

    Eine „starke Definition” von sozialer Verantwortung von Unternehmen beschreibt die notwendige Fürsorge für ein Leben innerhalb der Kapazitäten der Ökosysteme, die das Leben auf unserem Planeten ermöglichen. Die Enzyklika von Papst Franziskus ruft zu einer „ganzheitlichen Ökologie” auf, einer Lebenseinstellung, die unsere spirituellen Bedürfnisse, unsere Beziehungen zueinander (besonders zu den Armen), den Naturbezug und die Liebe zu Gott zusammenhält. Darunter fällt auch das Bestreben, die Nutzung fossiler Brennstoffe erheblich zu reduzieren, um die Zerstörung unseres gemeinsamen Hauses zu verhindern. Diese Konzepte aus der Enzyklika bestätigen eine starke Definition von Nachhaltigkeit.

     

  • Finde heraus, welche Vorgänge und Werte auf lokaler Ebene Investitionsentscheidungen beeinflussen. Wie werden Entscheidungen über Investitionen in deinem Verband getroffen? Wer ist am Entscheidungsprozess beteiligt? Welches sind die zugrundeliegenden religiösen und finanziellen Werte, die Entscheidungen über Investitionen beeinflussen? Welche Strukturen und Grundsätze nehmen Einfluss auf die Entscheidungsfindung? Wie können solche Grundsätze geändert werden?
  • Dem Geld auf der Spur. Katholische Verbände investieren Geld auf vielfältige Art und Weise. Viele von ihnen haben eigene Schatzmeister*innen oder Finanzverwalter*innen. Andere wiederum investieren in bestehende Fonds. Das Geld kleiner Organisationen liegt häufig auf der Bank. Meist geben sie nicht gerne Auskunft, über welche Mittel sie verfügen und wie diese investiert werden. Wenn du die Möglichkeit hast, dann baue Kontakt zu denjenigen auf, die dir sagen können, wie viele Gelder von wem wie investiert werden. Auch wenn man dir sagt, dass Divestment bedingt durch die Entscheidungsträger*innen oder die Art der Verwaltung nicht möglich ist, so gibt es meist doch einen Weg, neue Manager*innen oder Managementlösungen zu finden.

 

Wie viel Geld hat deine Glaubensgemeinschaft in den letzten drei Jahren durch Investitionen in die Kohle-, Öl- und Gasindustrie verloren? Decarbonizer ist ein kostenloses Online-Tool, mit dessen Hilfe du die Auswirkungen von Investitionen in fossile Brennstoffe auf ein Portfolio ermitteln kannst. Dieses Tool kann dabei helfen, finanzielle Argumente für Divestment zu stärken und das moralische Argument zu stützen, dass es falsch ist, von der Zerstörung unseres Planeten zu profitieren.

 

In einigen Fällen wird ein Teil oder die gesamte Summe der Gelder einer Einrichtung in Anlagefonds fließen. Die Beteiligungen zahlreicher Anlagefonds lassen sich im Such-Tool Mutual Fund Tracker der US-amerikanischen Nichtregierungsorganisation As You Sow finden.

 

  • Einige grundlegende, leicht zu vermittelnde Informationen zur Dringlichkeit der Klimakrise Überall auf der Welt kämpfen Glaubensgemeinschaften an vorderster Front gegen den Klimawandel. Sie sind unter den ersten, die sich mit den Auswirkungen befassen, die der Klimawandel physisch, emotional und spirituell auf uns ausübt.
  • Ein Temperaturanstieg um 2° Celsius galt als die maximale Erderwärmung, unter der menschliches Leben noch langfristig fortbestehen kann. (Dieser Wert wird nun erfolgreich in Frage gestellt, weshalb das Pariser Klimaabkommen eine Begrenzung der Erderwärmung auf „deutlich unter 2° C gegenüber dem vorindustriellen Niveau vorsieht und die Einhaltung der Grenze von 1,5° C anstrebt”.)

 

  • Wissenschaftlern zufolge können wir keine 400 Gigatonnen CO₂ mehr ausstoßen, bevor der Maximalwert von 2° C erreicht wird.

 

  • Kohle-, Öl- und Gasunternehmen haben Vorräte von ca. 2.800 Gigatonnen CO₂ und ihre Aktienkurse beruhen auf dem aktuellen Wert dieser Reserven. Sie wenden erhebliche Mengen von Ressourcen für die Suche und Ausbeutung weiterer Reserven auf.

 

  • Die Staatsoberhäupter der Welt haben sich verpflichtet, die Erderwärmung deutlich unter dem ursprünglichen 2-Grad-Ziel zu halten und sich dafür einzusetzen, dass höchstens der Grenzwert von 1,5° C erreicht wird, was bedeutet, dass weniger als 200 Gigatonnen CO₂ ausgestoßen werden dürfen. Nun müssen wir den politischen Willen zur Ratifizierung dieser Verpflichtung aufbauen und konkrete Schritte zur Umsetzung der Ziele einleiten. Hierzu ist eine umfassende Unterstützung aus allen Bereichen erforderlich. Dies schließt auch die moralische Führungsrolle religiöser Einrichtungen ein.
  • Gründe für die strategische Wichtigkeit von Divestment für Glaubensgemeinschaften beim Thema Klimakrise Die Staatsoberhäupter stimmen darin überein, dass die Erderwärmung begrenzt werden muss. Sie brauchen nun starken, dauerhaften Druck durch die Bürger*innen auf der ganzen Welt, die sie eindringlich zum schnellen, entschlossenen Handeln auffordern müssen. Divestment ist ein wichtiges Druckmittel.

Divestment hat eine lange Tradition in religiösen Gemeinschaften. Im vergangenen Jahrhundert haben zahlreiche jüdische, christliche, hinduistische, muslimische und buddhistische Gruppen ihre Anlagen aus Industriezweigen abgezogen, z. B. Tabak, Alkohol, Waffen, private Gefängnisse, Glücksspiel, Erwachsenenunterhaltung u. v. m. Religiöse Gruppen haben ebenfalls Investitionen aus Unternehmen zurückgezogen, die in Ländern Geschäfte machen, in denen Regierungen systematisch die Menschenrechte verletzen. Ihr Divestment erfolgt vornehmlich aus folgenden drei Gründen:

 

1) Reaktion auf vorsätzlichen, schweren und groß angelegten Schaden

Religiöse Gruppen haben Investitionen in Unternehmen abgestoßen, die regelmäßig und absichtlich Geschäfte tätigen, die Verletzungen oder den Tod vieler Menschen zur Folge haben. Der Abzug von Anlagen aus solchen Unternehmen demonstriert die Ablehnung, von Aktivitäten zu profitieren, die mit dem grundlegenden religiösen Auftrag unvereinbar sind.

ExxonMobils jahrzehntelange Vertuschung seiner bahnbrechenden Klimaforschung und die aktive Unterstützung der Klimaskeptiker-Bewegung sind ein eindeutiges Beispiel für vorsätzlichen, schweren und groß angelegten Schaden. Im Detailbericht   „Exxon: The Road Not Taken” des gemeinnützigen Online-Journals InsideClimate News wird der Skandal erklärt.

 

 

2) Reaktion auf hartnäckigen Widerstand

Wenn Bemühungen seitens der Anteilseigner*innen nicht zu relevanten Veränderungen führen, ist Divestment eine vernünftige Reaktion auf unmoralisches Verhalten von Unternehmen. Im Falle des Klimawandels hat der Einsatz von Aktionär*innen bisher keine bedeutenden Zugeständnisse in der Kohle-, Öl- und Gasindustrie erwirkt. Die Plattform Divest-Invest Philanthropy führt auf den Seiten 19-21 ihres Artikels „Doing Good. Performing Better.” (Gutes tun. Besseres leisten.) zahlreiche Beispiele für die Vergeblichkeit von Aktionärsaktivismus bei US-amerikanischen Öl- und Gasriesen an. Zitat:

„Bis zum heutigen Tag lässt sich nicht belegen, dass die Einbeziehung von Unternehmen der Kohle-, Öl- und Gasindustrie ein effektives Mittel darstellt, um die weltweiten CO₂-Emissionen in der erforderlichen Zeit zu reduzieren.” (S. 19)

 

 

3) Neudefinition des Moralkodex

Divestment und der damit einhergehende Ablauf bzw. das damit verbundene öffentliche Engagement sind eine Möglichkeit, den gesellschaftlichen Moralkodex neu zu definieren. So betrachtet ist Divestment nicht nur für religiöse Institutionen ein Mittel, um die eigene Integrität zu wahren oder auf hartnäckigen Widerstand zu reagieren. Es geht darum, der betreffenden Industrie die Legitimierung abzusprechen und sie zu „denormalisieren”, und so eine moralische Wende in der Gesellschaft einzuleiten. Dies wiederum ermutigt oder zwingt Führungspersönlichkeiten aus der Politik dazu, über Themen zu sprechen, denen sie zuvor aus dem Weg gegangen sind.

 

Divestment aus fossilen Brennstoffen erfüllt alle drei Kriterien. Leid und Schaden, die der Klimawandel verursacht, werden größer ausfallen als alle Schäden zusammen, die von den Zielscheiben voriger religiöser Divestment-Kampagnen verursacht worden sind. Das Geschäftsmodell der Kohle-, Öl- und Gasindustrie garantiert nichts als wachsendes Leid. Die Industrie demonstriert einen unbeugsamen Widerstand gegen Veränderung durch absichtliches Täuschen im Rahmen von PR-Kampagnen und umfangreiche Lobbyarbeit gegen Umweltgesetze. Ein rasches Abwenden einer Zukunft mit kohlenstoffintensiven Energiesystemen wird nicht ohne den intensiven, permanenten Druck der Öffentlichkeit erreicht werden.

 

Divest and Reinvest Now!: The Religious Imperative for a Fossil Fuel Divestment and Reinvestment in a Clean Energy Future (Divestment und Reinvestition jetzt! – Das religiöse Gebot zum Divestment aus fossilen Brennstoffen und zur Reinvestition in eine Zukunft der sauberen Energien) ist ein einführender Essay, der einen theologischen Rahmen für Überlegungen zu Divestment und Reinvestition anführt. Der Aufsatz enthält Diskussionsthemen.

 

Beziehungen: Der Ausgangspunkt für Veränderung

 

Bedeutende Veränderungen beginnen mit Beziehungen. In der Praxis besteht ein Großteil der Arbeit für Divestment darin, bei Entscheidungsträger*innen von Organisationen Unterstützung für dieses Konzept aufzubauen. Dieser Vorgang braucht Zeit. Es muss mindestens eine Person geben, am besten jedoch mehrere, die den Dialog mit Entscheidungsträger*innen suchen und alternatives Denken über ethische Investitionen anregen.

 

  • Beten für ein gutes Ende Eine wichtige Beziehung ist die zu Gott. Sie ist Quelle der Kraft und der kreativen Energie, um Zeit im Gebet für einen guten Ausgang zu verbringen, was der Schöpfung und all ihren Wesen zugutekommt.
  • Unterstützer*innen finden Welche Komitees in deiner Gemeinde oder Organisation beschäftigen sich mit Themen aus den Bereichen Umwelt, wirtschaftliche Gerechtigkeit, Armut, Rassismus und anderen Fragen der sozialen Gerechtigkeit? Wenn dir keine solchen Komitees bekannt sind, dann frag jemanden, der/die welche kennen könnte. Geh auf Treffen und Veranstaltungen, die dir Kontaktmöglichkeiten zu ihnen eröffnen können.Es kann sein, dass Menschen, die sich leidenschaftlich für den Umweltschutz engagieren, nicht mit einem bestimmten Komitee in Verbindung stehen. Du kannst gut mit ihnen in Kontakt treten, wenn du nach Gottesdiensten oder Veranstaltungen freundlich auf sie zugehst und offen darüber sprichst, dass dir der Umweltschutz am Herzen liegt.

     

    Sobald du Personen ausfindig gemacht hast, die sich für dein Anliegen interessieren könnten, lade sie zu einem informellen Treffen ein, um die Möglichkeit eines Engagements der Organisation für Divestment zu erörtern.

 

Es gibt Strategien, ein Treffen effektiv und dynamisch zu gestalten. Hier findest du einige Tipps, die dir dabei helfen, alles richtig zu machen:

  • Entwickle eine Agenda mit einem Zeitrahmen für alle Punkte. Plane genug Zeit dafür ein, die Agenda im Vorfeld der Veranstaltung zu verschicken und bitte um Anregungen.
  • Suche einen Moderator und einen Protokollschreiber.
  • Hör deinem Gegenüber zu und versuche, dessen/deren Ideen nachzuvollziehen und vielleicht auch zu teilen. Behalte dabei im Hinterkopf, dass Verstehen und Zustimmen nicht dasselbe sind.
  • Verschicke das Protokoll im Nachgang zu dem Treffen und hebe Aktionspunkte und Zuständigkeiten deutlich hervor, damit die Leute in deinem Team genau wissen, was sie vor dem nächsten Meeting zu tun haben. Setzt einen Termin für das nächste Treffen fest.

 

  • Entscheidungsträger*innen deiner Organisation kennenlernen Oftmals ist es klug, dein Engagement für Veränderungen an diejenigen heranzutragen, die Entscheidungen auf der Grundlage ethischer Prinzipien treffen können, statt an Schatzmeister*innen oder Finanzgremien. Personen, die direkt für die Umsetzung von Investitionsentscheidungen verantwortlich sind, tendieren dazu, sich von im Finanzsektor vorherrschenden Normen bezüglich verantwortungsvollen Investitionen beeinflussen zu lassen. Handlungsweisen zu ändern kann als riskant, zu zeitaufwendig oder nicht zum Fachgebiet gehörend angesehen werden.Versuche, individuelle Beziehungen zu relevanten Entscheidungsträger*innen oder zu Personen aufzubauen, die Einfluss auf diese ausüben können. In vielen Fällen müssen diejenigen, die im Auftrag einer Glaubensgemeinschaft Entscheidungen treffen, einen Ausgleich zwischen konkurrierenden Problemen und Anliegen herstellen. Identifiziere sowohl eure gemeinsamen Werte als auch Unstimmigkeiten. Versuche, ihre Perspektiven und Absichten nachzuvollziehen und würdige, dass sie eine schwierige Aufgabe haben, selbst wenn du nicht ihrer Meinung bist.

     

  • Vernetzung mit Anhänger*innen der katholischen Tradition sowie anderen Netzwerken, die Anlagen aus fossilen Brennstoffen abziehen wollen. Hunderte von Glaubensgemeinschaften, Konfessionen und religiösen Einrichtungen weltweit engagieren sich in Divestment-Kampagnen und viele gehen Divestment-Verpflichtungen ein. Wenn du dich mit anderen vernetzt, die dieser Arbeit nachgehen, wird dir dies helfen, Ideen zu fördern, Tipps zu sammeln und Begeisterung sowie Solidarität aufzubauen.

 

Schließ dich der Divest-Reinvest-Bewegung an!

Viele Glaubensführer*innen haben sich bereits für Kampagnen eingesetzt, die den Abzug von Investitionen in fossile Brennstoffe und die Reinvestition in erneuerbare Energien fordern. Hier ein paar tolle Beispiele laufender Projekte:

Große religiöse Divestment-Kampagnen/span>

Beispiele für Divestment-Beschlüsse religiöser Organisationen

Divest & Reinvest Global: Eine Liste aller bekannten Divestment-Maßnahmen von religiösen Gruppen

 

Bist du bereit, dich zu vernetzen?

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Handeln: erfolgreiches Engagement für Divestment aus fossilen Brennstoffen

Du hast Kontakte aufgebaut und Wissen über deinen Kontext erworben. Nun ist es Zeit, in Aktion zu treten.

 

  • Setze erreichbare und ambitionierte Ziele. Erstelle einen Plan mit gut erreichbaren Zielen und einer großen Vision. Obwohl jeder Schritt hin zur Entscheidung für Divestment Teil eines großen Divestment-Ziels ist, bestehen daneben auch noch andere wichtige Ziele. Wie viele Kontakte kannst du pflegen? Wie viele Fortbildungsveranstaltungen kannst du ausrichten und wie häufig kann die Verantwortung für Finanzen und Umwelt bei Treffen oder in Newslettern zum Thema gemacht werden? Wie viele Personen kannst du dazu bewegen, sich über Divestment in anderen Organisationen zu informieren, denen sie angegliedert sind?
  • Setze einen Zeitplan fest. Ist in den kommenden drei, sechs, zwölf oder mehr Monaten ein bestimmtes Treffen oder Event geplant, wo eine Entscheidung für Divestment sinnvollerweise getroffen werden könnte? Falls ja, plane diesen Zeitrahmen in deine Arbeit mit ein. Falls nicht, überlege dir, wie viel Zeit du benötigen könntest, um die Entscheidungsträger*innen zu überzeugen. Berücksichtige den möglichen Einfluss von anderen Events, Urlaubszeiten oder Feiertagen auf deinen Zeitplan. Der Sommer ist z. B. eher eine schwierige Zeit, um die Aufmerksamkeit der Leute zu gewinnen. Religiöse Feste, auf denen Umweltschutz, persönliche Opfer oder Buße eine Rolle spielen, können auch Gelegenheit zum Austausch über Verantwortung und Divestment bieten.

 

Religiöse Feste, die mit Divestment und Verantwortung für den Planeten in Verbindung gebracht werden können:

- Fastenzeit

- 1. September, Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung, ausgerufen durch Papst Franziskus 

- Fest des Heiligen Franz von Assisi

- Advent

 

 

  • Binde so viele Teilnehmer*innen wie möglich in den Dialog mit ein. Neben tatsächlichem Divestment und eventuellen Reinvestitionen besteht das Ziel der Initiative darin, die Kohle-, Öl- und Gasindustrie weiter zu stigmatisieren und einen Sinneswandel durch folgende Maßnahmen herbeizuführen:
    • eine respektvolle, fesselnde öffentliche Debatte über die hohe Dringlichkeit der Klimakrise einleiten
    • argumentieren, dass katholische Organisationen nicht länger in die Industrie investieren sollten, deren Produkte für den Klimawandel verantwortlich sind
    • Mitglieder deiner Gemeinschaft oder Organisation auffordern, mit gutem Beispiel voranzugehen, indem sie ihren CO₂-Fußabdruck reduzieren und Investitionen vornehmen, die mit ihren Werten in Einklang stehen.

Aufklärung und Diskussion sind genauso wichtig wie die letztliche Entscheidung, die daraus erwächst.

 

  • Plane Aktivitäten. Finde die Möglichkeiten zum Austausch über Klimawandel und Divestment aus fossilen Brennstoffen innerhalb deiner Organisation oder Gemeinschaft heraus. Einige Möglichkeiten:
Empfehlenswerte Bücher für Gruppenarbeit zu den Themen Religion, Umwelt und Verantwortung:

- GreenFaith von Reverend Fletcher Harper (nur auf Englisch)

- Resisting Structural Evil von Dr. Cynthia Moe-Lobeda (nur auf Englisch)

- The Comforting Whirlwind von Bill McKibben (nur auf Englisch)

- This Changes Everything von Naomi Klein (nur auf Englisch)

- Grounded von Diana Butler Bass (nur auf Englisch)

 

  • Kommunikation ist alles. Katholische Veröffentlichungen und Newsletter brauchen deine Inhalte! Biete deiner Organisation an, für deren Newsletter, Blogs oder andere Kommunikationskanäle zu schreiben. Richte Facebook- und Twitter-Accounts ein, die du täglich mit Artikeln über Glaube, Divestment und den Klimawandel aktualisierst. Stelle schriftliche Quellen zur Verfügung, die mit den Materialien für die Messe verteilt oder an bekannten Schwarzen Brettern aufgehängt werden können. Verbreite deine Geschichten auch überregional in den katholischen Medien.

 

Empfehlenswerte Facebook-Seiten, auf denen du deine Ideen posten kannst:

- Divest and Reinvest Now! von GreenFaith 

- Fossil Free

- Fossil Free Faith Canada

- Fossil Free PCUSA

- Fossil Free UMC

- DivestInvest

- 350.org

 

Medienressourcen

„Get the Word Out”, eine Anleitung von 350.org  mit Diskussionsansätzen, Kontakt-Tipps, Vorlagen und vielem mehr (nur auf Englisch).

 

  • Arbeite einen Vorschlag oder einen Beschluss aus. Entwirf einen spezifischen Vorschlag oder Beschluss für deine Gemeinschaft zum Verkauf der Beteiligungen an fossilen Brennstoffen. Schau dir diese Beschlüsse anderer Glaubensgemeinschaften an, um dir Ideen zu holen.Die Entscheidungen können z. B. teilweises oder vollständiges Divestment oder Divestment nur aus Kohle betreffen. Hier findest du Definitionen von unterschiedlichen Formen von Divestment..

     

  • Leite deinen Entwurf an die Entscheidungsträger*innen weiter. Informiere sie darüber, dass du vorhast, mit Mitgliedern deiner Organisation oder Gemeinschaft über Divestment aus fossilen Brennstoffen in Dialog zu treten und lade sie ein, Teil dieses Dialogs zu werden. Frage sie nach Ideen, Anregungen und Feedback. Kündige an, wann du ihnen den endgültigen Beschluss zur Prüfung vorlegen willst.Es ist möglich, dass die Entscheidungsträger*innen sich gegen die Art sträuben, wie eine solche Entscheidung umgesetzt werden kann. Daher kann es hilfreich sein, ihnen klarzumachen, dass es sich um einen mehrstufigen Prozess handelt, der bis zu fünf Jahre dauern kann. Man beginnt mit Investitionen in reine Rohstoffunternehmen. Auch kann es für die Annahme eines Beschlussentwurfs nützlich sein, wenn du die Daten externer Berater*innen oder von Ethikfonds-Manager*innen parat hast, an die sich deine Organisation wenden kann. Achte darauf, einen Haftungsausschluss beizufügen, in dem steht, dass es sich hierbei um Optionen und nicht um eine finanzielle Beratung handelt. 
  • Bereite dich auf die Entscheidung vor. Sorge mit ausreichender Vorlaufzeit dafür, dass Divestment aus fossilen Brennstoffen auf der Agenda des Meetings steht, bei dem dein Beschluss geprüft wird. Finde heraus, ob das Meeting nicht nur von Entscheidungsträger*innen, sondern von allen besucht werden kann. Wenn ja, dann bitte darum, dass du selbst und weitere Unterstützer*innen dazu eingeladen werden. Wenn es allerdings kein öffentliches Meeting ist, kläre ob es möglich ist, dass ihr zumindest an dem Abschnitt teilnehmen dürft, wenn der Beschluss diskutiert wird. Sei auf allgemeine Fragen und Einwände vorbereitet.

 

FAQs: Fragen und Antworten von konfessionellen und ökumenischen Kampagnen

Bright Now (Großbritannien) FAQ

Fossil Free Faith (Kanada) FAQ

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Dranbleiben – Was passiert, nachdem die Entscheidung gefällt wurde?

  • Verbreite die Neuigkeiten und bedanke dich. Ungeachtet der Art der Entscheidung (teilweises, vollständiges Divestment etc.) ist es wichtig, die Erlaubnis einzuholen, dass du erzählen darfst, was passiert ist und warum es so passiert ist und was als nächstes zu erwarten ist. Mach den Entscheidungsträger*innen klar, warum es wichtig ist, andere außerhalb der Organisation zu informieren.Das Informieren der Öffentlichkeit über die Entscheidung braucht nicht bis kurz vor der Umsetzung zu warten. Damit kann man direkt nachdem der Beschluss gefasst wurde beginnen, so wie es außerhalb der katholischen Kirche oft der Fall ist.

     

    Ein wichtiges Element der Wirksamkeit von Divestment für das Allgemeinwohl liegt in dem Schritt, die Entscheidung öffentlich zu machen. Auch bei bescheidener Publicity haben Divestment aus fossilen Brennstoffen und die Reinvestition in kohlenstoffarme Technologien eine gesellschaftlich bedeutsame Symbolkraft. Während die ethische Integrität, die sich in diesen Entscheidungen widerspiegelt, einen inneren Wert hat, liegen viele der positiven Auswirkungen in der prophetischen Botschaft, die solche Entscheidungen an die breitere Öffentlichkeit senden.

    Die Veröffentlichung solcher Entscheidungen befördert diese aus der Sphäre der privaten Moral ins Prophetische. Die Lobby der Kohle-, Öl- und Gasindustrie wendet jährlich mehrere Millionen Dollar dafür auf, die Unterstützung von Politiker*innen und der breiten Öffentlichkeit zu gewinnen. Durch das Veröffentlichen von Entscheidungen lenken Organisationen den Blick noch stärker auf den Verlust der gesellschaftlichen Akzeptanz und machen öffentlich darauf aufmerksam, dass die Schöpfung vor der andauernden Ausbeutung der fossilen Rohstoffvorkommen bewahrt werden muss. Wir müssen unser gemeinsames Haus beschützen.

    Wenn du die Erlaubnis erhältst, die Neuigkeiten zu verbreiten, dann versuche, möglichst viele Empfänger zu erreichen. Im Medien-Leitfaden von Go Fossil Free wirst du Hilfe finden. Melde dich bei allen, die in dem Prozess involviert waren und bedanke dich für ihren Einsatz und ihre Unterstützung. Benachrichtige auch GreenFaith, damit wir deine Aktion mit auf die Liste der weltweiten Divestment-Projekte von Glaubensgemeinschaften setzen können.

     

  • Ihr seid auf dem Weg zum teilweisen oder vollständigen Divestment. Glückwunsch! Dein Team und du könnt unglaublich stolz sein. Dankt Gott und feiert!
  • Deine Organisation braucht möglicherweise Unterstützung, Hilfe und Ressourcen bei der Umsetzung der getroffenen Entscheidung. Als erstes müssen bestehende Investitionen in die Kohle-, Öl- und Gasindustrie ermittelt werden. Dann wird ein Plan für das Zurückziehen dieser Anlagen entwickelt. Zwei Tools können dabei behilflich sein: Der Decarbonizer ermittelt verschiedene Arten von Investitionen in fossile Brennstoffe in einem Portfolio und unterbreitet alternative Anlagemöglichkeiten. Der Fossil Free Fund Tracker von As You Sow hilft dabei, die Investitionen in fossile Brennstoffe in euren Anlagefonds aufzudecken und sucht nach alternativen Anlagefonds.Es kann den Verantwortlichen für die Umsetzung der Entscheidung helfen zu wissen, dass es sich um einen Prozess handelt, der bis zu fünf Jahre dauern kann.

 

University of Dayton: Eine Fallstudie

Wie funktionieren Divestment und Reinvestition eigentlich? Die University of Dayton, eine katholische Universität, hat 2013 beschlossen, ihre Anlagen aus Kohle, Öl und Gas abzustoßen. Hier kannst du nachlesen, wie die Universitätsleitung ihre Entscheidung umgesetzt hat. (in Kürze verfügbar)

 

  • Die Antwort lautet „Nein” oder „Noch nicht”. Das sind trotzdem gute Nachrichten! Dranbleiben, wenn Entscheidungen für ein teilweises Divestment oder gegen Divestment getroffen wurden. Glückwunsch! Du hast eine wichtige Debatte innerhalb deiner Organisation oder Gemeinschaft angestoßen. Divestment aus Kohle, Öl und Gas bezeichnet eine bedeutende Abkehr von traditionellen Ansichten über Investitionstätigkeiten. Es kann also dauern, bis sich solche Einstellungen ändern.

 

 

 

Hier einige weiterführende Schritte:

  • Werte aus, was gut lief und warum es nicht funktioniert hat.
  • Suche nach weiteren Möglichkeiten, in deiner Organisation ein Bewusstsein für Umweltschutz zu schaffen. Bei GreenFaith findest du zahlreiche Ressourcen von Trainingsprogrammen und Kursen hin zu Möglichkeiten der Unterstützung etc.
  • Verlagere den Schwerpunkt auf kleinere Einheiten innerhalb deiner Organisation, z. B. eher eine Diözese als eine nationale Bischofskonferenz oder lieber eine regionale Ordensgemeinschaft innerhalb eines Ordens statt den ganzen Orden.
  • Denke über einen Neustart deiner Aktivitäten in der nächsten Saison nach. Du hast so viel aus all dem gelernt, was du getan hast. Und auch deine Gemeinschaft hat von dir gelernt. Vielleicht brauchen sie einfach noch etwas mehr Zeit, um sich auf den Gedanken von Divestment einzulassen.