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Februar 22, 2017

Städteregion Aachen verzockt sich mit RWE-Aktien

 

Am heutigen Mittwoch, dem 22.02.2017 wurde bekannt, dass der Atom- und Kohlestromkonzern RWE erneut keine Dividende an seine Stammaktionär*innen ausschüttet. Die Städteregion Aachen hält gut 550.000 RWE-Aktien. Die fest im Haushalt eingeplante Dividende und die kontinuierlich fallenden Aktienkurse des Konzerns stellen die Städteregion nun vor ein massives Haushaltsproblem, nachdem bereits 2016 unerwartet und doch wenig überraschend die RWE-Dividende ausgefallen war.

RWE betreibt alle Tagebaue und die meisten Kohlekraftwerke  im Rheinland. Der Konzern ist somit seit Jahrzehnten verantwortlich für immense CO2-Emissionen, die Abholzung einzigartiger Wälder und die Umsiedlung zahlreicher Dörfer. „Wenn irgendwer das Rheinland und das Weltklima zerstört, dann ist es RWE“, kommentiert Lea Heuser, Sprecherin der Initiative Divest Aachen. „Es handelt sich hier bei Weitem nicht nur um ein wirtschaftliches Thema sondern vor allem um eines von Umweltpolitik und Klimaschutz“.

Divest Aachen fordert seit über einem Jahr die Städteregion auf, ethisch-ökologische Investitionskriterien zu beschließen und alle bestehenden Investitionen in fossile Energien sofort abzustoßen. „Wir müssen RWE daran hindern, weiterhin ungeheure Mengen von Kohle zu verbrennen, um eine globale Klimaerwärmung über 1,5 °C zu verhindern“, erklärt Heuser. „Das geht am Besten durch finanziellen Druck, also durch Druck der Aktionär*innen“. Mit dem Festhalten an RWE torpediert die Städteregion nach Ansicht von Divest Aachen das Pariser Klimaabkommen. Um die 1,5°C-Grenze einzuhalten, müsste nach aktuellen Studien die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas überall auf der Welt sofort gestoppt werden und weit über 80% der Ressourcen müssten im Boden bleiben. Eine Studie des Umweltbundesamtes[1] empfiehlt nachdrücklich, die Emissionen aus der Kohleverstromung bis 2030 um mindestens 50% zu reduzieren.

Im Zuge der Energiewende gibt es zahlreiche lokale und dezentrale Entwicklungspotentiale und Investitionsmöglichkeiten in erneuerbare Energien. „Die Städteregion hätte, wie eine ganze Reihe von Kommunen, schon lange die Chance gehabt, sich von diesem wirtschaftlichen Klotz am Bein zu befreien und zugleich etwas für unser schon viel zu angeschlagenes Klima zu tun. Stattdessen hält man aus Loyalität an einer Industrie von vorgestern fest und macht damit auch noch erschreckende Verluste“, so Heuser. Die Städteregion baut darauf, durch ihren Status als Aktionärin einen Einfluss auf RWE zu haben, wie verschiedene Städteregionstagsmitglieder und auch der Pressesprecher Funken mehrfach äußerten. Die Divest-Initiative fragt sich, worin dieser Einfluss bestehen soll und wieso sich dann nichts tut.

In den letzten Monaten haben Klimaschutz-Aktive erreicht, dass neben Münster nun auch Berlin und Stuttgart ihr Kapital aus dem fossilen Sektor abziehen. Bochum, Siegen und der Landkreis Osnabrück haben den Verkauf ihrer RWE-Anteile beschlossen. In einigen weiteren Kommunen wird ein Divestment aus fossilen Energien diskutiert. Nach einer Recherche von Greenpeace gibt es mehr als 20 Kommunen, die mehr als eine Million RWE-Aktien halten. Die aktuell insgesamt knapp 1,6 Milliarden Euro der Kommunen, die derzeit in RWE-Aktien stecken, wären nach Ansicht der Klimaschützer*innen in der lokalen Energiewende deutlich besser angelegt. Zudem wäre die wirtschaftliche Planungssicherheit der Kommunen eine ganz andere, wenn auf erneuerbare Energien gesetzt würde, anstatt zum Scheitern verurteilten Konzernen die Stange zu halten.

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