Ärzt*innen für Divestment

 

KEIN GELD MEHR FÜR KOHLE, ÖL UND GAS DURCH DIE ÄRZTLICHEN VERSORGUNGSWERKE

 

PETITIONEN BEI KAMPAGNENPARTNER WEACT UNTERZEICHNEN

Fossil Free Deutschland

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Argumente für Divestment im Gesundheitssektor

 

Die Gesundheitsgefährdung durch den Klimawandel

Der Klimawandel ist „eine der größten Herausforderungen unserer Zeit” (Margaret Chan, WHO) und „die größte Bedrohung der globalen Gesundheit im 21.Jahrhundert” (Lancet Commission 2009). Er droht, die Fortschritte der globalen Gesundheit der letzten 50 Jahre rückgängig zu machen. Alle großen internationalen Berichte zum Thema Klimawandel und Gesundheit (IPCC, Lancet, WHO) gehen in die gleiche Richtung: Der Zusammenhang zwischen fossilen Brennstoffen, Luftverschmutzung und Klimawandel ist eindeutig und die medizinischen und ökonomischen Auswirkungen sind schon jetzt inakzeptabel hoch. Andererseits sind Klimaschutzmaßnahmen und der notwendige Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft und Gesellschaft mit großen Chancen („co-benefits“, „no regret options“) für die Gesundheit verbunden (Lancet Commission 2015) (5).

Das Kohlenstoffbudget

Wenn wir die Erderwärmung auf unter 2 Grad C begrenzen wollen, wozu sich die Staatengemeinschaft verpflichtet hat, um verheerende Auswirkungen des Klimawandels zu vermeiden, darf nur noch eine begrenzte Menge von CO2 emittiert werden. Demnach müssen 60-80 % der derzeit bekannten Reserven fossiler Brennstoffe im Boden bleiben. Sie werden deswegen als Folge einer aktiven Klimapolitik und im Kontext des Übergangs zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft einen Großteil ihres Wertes verlieren. Vor einem derartigen Risiko warnen inzwischen alle großen Finanzinstitute und Banken, inklusive der Weltbank und der Bank of England und sprechen dabei – in Analogie zur US „Immobilienblase“ von 2007 – von einer „Kohlenstoffblase“.

Schnelles Handeln gefordert

Alle großen internationalen Berichte zum Klimaschutz und zur Klimaökonomie und viele internationale Organisationen wie IWF, OECD, Weltbank, der Papst, die Generaldirektorin der WHO und der Weltbankpräsident unterstützen Aufrufe oder fordern selbst dazu auf, so schnell wie möglich den Anteil fossiler Energien am Energiemix, insbesondere der Kohle als der schmutzigsten Energieform, abzubauen und durch erneuerbare Energien, Energieeffizienz- und Energieeinsparungsmaßnahmen zu ersetzen.

Divestment als Ansatz für Klimaschutz

Divestment sendet ein deutliches Signal an Politik, Gesellschaft und Investoren, dass fossile Brennstoffe aus Klimaschutzgründen keine Zukunft mehr haben und das Geschäftsmodell der Unternehmen, weiter unkontrolliert Kohle, Öl und Gas zu verfeuern und neue Reserven zu erschließen, sozial nicht mehr legitimiert werden kann. Das Deinvest/Reinvest beschleunigt den erforderlichen Umstieg in eine kohlenstoffarme Wirtschaft und erschwert die Refinanzierungsbedingungen der fossilen Energiekonzerne, die aktive Klimaschutzmaßnahmen zu blockieren versuchen. Hans-Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und einer der weltweit angesehensten Klimawissenschaftler und Klimapolitikberater, nennt „Divestment die wichtigste Aktion, die es jemals für den Klimaschutz gegeben hat.“
Eine breite schnell wachsende internationale Klimaschutzbewegung konzentriert sich mit großem Erfolg ganz auf die Forderung nach Divestment und Reinvestment. Fast 500 Organisationen (Stand Nov.2015) in 43 Ländern mit einem Gesamtvermögen von $ 3,6 Billionen sind bisher dieser Forderung gefolgt und haben sich verpflichtet und bereits begonnen, ihre Beteiligungen an fossilen Brennstoffunternehmen zu beenden: darunter die Stanford University, der Weltkirchenrat, die Church of England, der Norwegische Staatsfonds, die Rockefeller – Stiftung, die Städte San Francisco, Seattle und Brisbane sowie die zwei großen Pensionsfonds des Staates Kalifornien, die zu den größten der USA zählen, und der staatliche Pensionsfonds der Niederlande.

Angesehene Ärzte*innen- und Gesundheitsorganisationen rufen zu Divestment auf

Die nationalen Ärzteverbände von Großbritannien (BMA), Kanada (CMA) , Australien (RACP) , das British Medical Journal , The Lancet und führende britische Gesundheitsexperten , der 14. World Congress on Public Health und die World Federation of Public Health Alliances rufen die Einrichtungen und Organisationen des Gesundheitssektors auf, Investitionen in fossile Energieunternehmen zu beenden und in ökologisch nachhaltige Investments umzuschichten. Die Generaldirektorin der WHO, Margaret Chan, unterstützt Divestment, und auch der Weltärztebund appelliert an seine Mitgliedsverbände, ein Divestment aus Kohle, Öl und Gas zu erwägen.

Die Versorgungswerke in Deutschland

Dem Deutschen Ärztetag (DÄT) 2015 lag ein entsprechender Entschließungsantrag vor, der an die Bundesärztekammer verwiesen wurde. Der 113. Deutsche Ärztetag hatte bereits 2010 die ärztlichen Versorgungswerke aufgefordert, „Investitionen zur Absicherung des Deckungsstockes unter ethischen Gesichtspunkten vorzunehmen.“ Auch wenn dieser Beschluss die Versorgungswerke rechtlich nicht bindet, so sollte er ebenso wenig ignoriert werden wie die Aufrufe der genannten Ärzteverbände. Sie sind wohlbegründet.

Das Finanzargument für Divestment

Es geht nicht nur um ethische Argumente. Immer mehr sprechen auch ökonomische Gründe gegen Anlagen im fossilen Bereich. Sie drohen auf Grund einer aktiven Klimaschutzpolitik und veränderter Prioritäten großer Investoren zunehmend an Wert zu verlieren. Die Versorgungswerke dürfen aus ihrer Verpflichtung, für eine nachhaltige Rendite zur Sicherung der Renten Ihrer Mitglieder zu sorgen, dieses Risiko nicht ignorieren. Die gravierenden Wertverluste der deutschen Energiekonzerne EON und RWE sind Beispiele dafür. Auch die Performance des weltweit breit gestreuten Aktienindex MSCI ACWI ex Fossil Fuels übertraf den gleichen Index mit fossilen Brennstoffunternehmen in den letzten 4 Jahren deutlich. Renommierte Anlageberatungsfirmen beziffern inzwischen die Risiken verschiedener Anlageklassen. Sie sind für die Anlagen in fossile Energien erheblich. So werden die Renditeeinbrüche im Kohlegeschäft je nach Szenarium für die nächsten 35 Jahre auf bis zu 74% beziffert. Die Konkurrenzfähigkeit der Erneuerbaren in vielen Teilen der Erde beschleunigt diese Entwicklung. Dabei wird immer deutlicher, dass Investitionen in erneuerbare Energien und andere nachhaltige Investments mittel- und langfristig meist (d.h. in über 80% der Fälle) auch hinsichtlich der finanziellen Rendite besser abschneiden als herkömmliche Investitionen. Es gibt also genug (bessere) Anlagealternativen. Wenn nun auch kurz vor der Pariser Klimakonferenz die Allianz-AG – einer der größten Versicherungskonzerne der Welt – bekannt gegeben hat, ihre finanziellen Beteiligungen aus der Kohle binnen 6 Monaten abzuziehen und die Investitionen in Erneuerbare in den nächsten zwei Jahren zu verdoppeln, dann dürfte hierbei die finanzielle Tragfähigkeit eine entscheidende Rolle spielen.

Weiterführende Literatur

  1. McCoy, David; Montgomery, Hugh; Arukumaran, Sabaratnam; Godlee, Fiona (2014). Climate change and human survival. BMJ 348: g2351. DOI: 10.1136/bmj.g2351 . Dieses BMJ-Editorial war Grundlage des Divest-Beschlusses der British Medical Association 2014
  2. Medact (2014). Divestment for health. Eine zwei-seitige Einführung in das Thema. Die Medact website ist eine sehr gute Quelle rund ums Thema Klimawandel und Gesundheit mit guten Synopsen zu den gesundheitsrelevanten Themen des UN-Weltklimaberichtes
  3. Healthy Planet UK/Medact/ medsin/ Center for Sustainable Health Care (2015). Unhealthy Investments – Why the UK healthy community’s investment in fossil fuels are bad for health? London.
  4. Letter from health professionals. “Do no harm: the Wellcome Trust should not profit from the fossil fuel industry”.
  5. Lancet Commission on Health and Climate Change –Policy responses to protect public health (2015)
  6. Zeit-online (2015). Holt das Geld da raus !  28.Mai. Eine Übersicht zur internationalen Divest-Bewegung
  7. „Klimawandel und Gesundheit – ein Weck- und Aufruf für den deutschen Gesundheitssektor (2015). Ein Positionspapier der Deutschen Plattform für Globale Gesundheit (DPGG). (demnächst auf der website von medico international)
  8. Duncan Noble (2015). Queen’s University Should Divest from Fossil Fuels. Duncan Noble Explores Sustainability & Carbon Mangement, posted 15 Sept 2015. Eine sehr gute knappe Zusammenfassung zu den Gründen, warum man aus fossilen Brennstoffen devestieren sollte.
  9. Patrick Collinson (2015). Fossil fuel-free funds outperformed conventional ones, analysis shows.