März 13, 2018

Universität Münster schließt als erste Hochschule Deutschlands Investitionen in klimaschädlichen Kohle-, Öl- und Gassektor aus

Diese Divestment-Entscheidung ist ein Teilerfolg für die Initiative Fossil Free Münster, die ihre Kampagne fortführen will

Münster, 13.03.18 – Nach der Stadt Münster entzieht auch die Universität Münster dem klimaschädlichen Kohle-, Öl- und Gassektor ihre Unterstützung und schließt als erste Hochschule Deutschlands Kapitalanlagen in diesen Sektor aus. Für die Initiative Fossil Free Münster, die seit Jahren auf dieses Divestment hingearbeitet hat, ist dies ein Grund zum Feiern, da sich das Rektorat hiermit gegen klimaschädliche Geschäftspraktiken stellt.

Gleichzeitig kündigte die Initiative an, dass sie sich weiter engagieren wird, um auch die über €1,4 Millionen Stiftungsgelder der Uni von Gas-, Öl- und Kohleunternehmen zu befreien, da diese den Klimawandel anheizen. Über Aktienfonds investieren die unselbständigen Stiftungen weiter in Unternehmen, die für die Klimakrise verantwortlich und teilweise für Menschenrechtsverletzungen bekannt sind. Dazu gehören u.a. BASF, BP, BHP, Statoil, Rio Tinto, OMV, Total Capital, Wells Fargo, Glencore, Royal Dutch Shell und Statoil.

Clara Scharfenstein von Fossil Free Münster kommentiert die Entscheidung der Universität Münster: „Wir danken allen, die es ermöglicht haben, dass sich die Universität gegen klimaschädliche Geschäftspraktiken stellt.” Sie ergänzt: „Die Uni Münster ist mit dieser Entscheidung nun Vorbild für klimafreundliches investieren. Wir rufen die Stiftungen der Uni Münster und alle deutschen Hochschulen dazu auf, sich ebenfalls für den Klimaschutz einzusetzen und ihre Finanzanlagen von Unternehmen zu befreien, die die Klimakrise und ihre gefährlichen Auswirkungen befeuern. Denn wenn es falsch ist das Klima zu zerstören, dann ist es auch falsch von dieser Zerstörung zu profitieren.”

Die Entscheidung, Kohle-, Öl- und Gasunternehmen aus den Finanzanlagen der Uni auszuschließen, fiel durch einen Rektoratsbeschluss, der die „Dienstanweisung der Westfälischen Wilhelms-Universität zur Anlage liquider Mittel” änderte [1].

Mit Protestaktionen, Briefen, Petitionen, Kundgebungen, Informationsveranstaltungen und Unterschriftensammlungen kämpft Fossil Free Münster seit 2013 dafür, dass die Universität Münster mehr Verantwortung für den Klimaschutz übernimmt. Etliche Angestellte, Professoren, Doktoranden und Alumni der Universität hatten sich in einem offenen Brief ebenfalls für den Abzug von Geldern aus Kohle, Öl und Gas ausgesprochen. Nachdem die damalige Rektorin Fossil Free Münster 2014 noch verspottete, gewann die Gruppe seither die Unterstützung des neuen Rektorats mit Prof. Dr. Johannes Wessels und Kanzler Matthias Schwarte.

Die internationale Divestment-Bewegung verbreitet sich seit 2012 wie ein Lauffeuer. Bis heute haben sich über 800  Institutionen weltweit zu Divestment verpflichtet. In Deutschland schlossen die Städte Münster, Berlin, Stuttgart, Göttingen und Bremen aufgrund der Kampagnen von lokalen Bürgerinitiativen Investitionen in Kohle, Öl und Gas aus. Bekannte internationale Beispiele, die divestierten sind der Rockefeller Brothers Fund, der staatliche Pensionsfonds in Norwegen, die Kirche von Schweden und die Stadt New York. Mit Hilfe der Fossil Free Kampagne wird der gesellschaftliche Rückhalt für die Kohle-, Öl- und Gasindustrie, welche den Klimawandel verursacht langfristig geschwächt.

 

###

 

KONTAKT

Clara Scharfenstein, Lokalgruppe Fossil Free Münster, Telefon 0049-1637190415, Email clara.scharfenstein@gmx.de

Tine Langkamp, Fossil Free Kampaignerin für die NGO 350.org, 0049-15170169509, tine@350.org

 

FOTOS

von Aktionen der Gruppe Fossil Free Münster

 

ANMERKUNGEN FÜR DIE REDAKTION

[1] Wortlaut Rektoratsbeschluss: „Für alle Kapitalanlagen, bei denen die WWU Münster direkt oder indirekt eine (Mit-)Eigentümerposition an Unternehmen aufbaut, gilt der Grundsatz der Nachhaltigkeit. In der konkreten Umsetzung bedeutet dies, dass die folgenden Mindeststandards für ein universitäres Engagement im Rahmen solcher Kapitalanlagen zu beachten sind: keine Beteiligung an Unternehmen die Kinderarbeit zulassen, keine Beteiligung an Unternehmen, die Militärwaffen herstellen oder vertreiben, keine Beteiligung an Unternehmen, die nicht auf nachhaltige Energien setzen.”

Bilanz 2016 der Universität Münster

Internetseite der Gruppe Fossil Free

Offener Brief der Gruppe Fossil Free an die Universität Münster

Pressemitteilung Studierende kritisieren Gesprächsverweigerung beim Sommerfest der Rektorin

 

 

FacebookTwitter