Juni 5, 2015

Norwegen kappt Investitionen in Kohle – RWE verliert Großinvestor

Kohle-Divestment als Vorbild für Allianz, Deutsche Bank und deutsche Kommunen

Oslo, Norwegen — Das norwegische Parlament hat heute entschieden, dass der staatliche Pensionsfonds Anlagen in Höhe von 7,7 Mrd. Euro (67,2 Mrd. Norwegische Kronen) aus insgesamt 122 Kohleunternehmen veräußern soll.[1] Der norwegische Staatsfonds soll zukünfitg nicht mehr in Unternehmen investieren, die mehr als 30 Prozent ihrer Einkünfte oder ihrer Stromproduktion mit Kohle generieren. Damit verlieren auch drei der größten Energieversorger Deutschlands E.ON, Vattenfall und RWE einen ihrer wichtigsten Investoren.

Der rund €830 Milliarden schwere Fonds ist der weltweit größte Staatsfonds und unter den Top-Ten-Investoren in der globalen Kohleindustrie. [2] „Der einflussreiche Staatsfonds hat in der Vergangenheit immer wieder Investoren zum Umdenken gebracht. Große deutsche Kohlefinanziers wie Allianz und Deutsche Bank sollten sich ein Beispiel an den Norwegern nehmen und mit Divestment nachziehen“, sagt Heffa Schücking, Geschäftsführerin der Umweltorganisation urgewald, welche maßgeblich zu der Entscheidung beigetragen hat.

Tine Langkamp, die die fossile Divestment-Kampagne für 350.org in Deutschland koordiniert, sagt: „Norwegens Entscheidung sollte ein Weckruf für Investoren sein, ihre Gelder von fossilen Brennstoffen abzuziehen. Sie müssen sich der neuen Realität stellen. Klimaschutz durch Divestment muss in Deutschland ernst genommen werden, ob von Pensionsfonds, Versicherern, Banken oder den Kommunen im Ruhrgebiet, die als kommunale RWE-Aktionäre ohnehin schon unter der desaströsen wirtschaftlichen Lage von RWE leiden.”

Truls Gulowsen von Greenpeace Norwegen sagte: „Das ist ein großer Sieg für die Divestment-Bewegung und ein echtes Hoffnungszeichen, dass das Verhalten von Investoren verändert werden kann.“

Immer mehr Investoren verbannen fossile Unternehmen von ihren Anlagen, darunter zahlreiche Städte, Universitäten, der Weltkirchenrat und der Rockefeller Brothers Fund. [3] Zuletzt hat der französische Versicherer Axa angekündigt Anlagen von €500 Millionen in Kohleunternehmen abzuziehen. Norwegens Entscheidung stellt den größten Betrag dar, den ein einzelner Investor bisher aus fossilen Energien genommen hat.

Am Wochenende diskutieren die G7-Staaten über ihre Strategie für die Klimaverhandlungen in Paris. „Die Regierungen lassen sich beim Klimaschutz oft von wirtschaftlichen Argumenten leiten. Deshalb ist Norwegens Schritt auch ein starkes Zeichen für ein ambitioniertes Klimaabkommen. Kohle ist eine Energieform der Vergangenheit“, sagt Schücking.

 

###

Für die Redaktion:

[1] Norway Divests! Briefing from urgewald, Greenpeace Norwegen und Framtiden.

[2] Bericht von Framtiden i Väre hender (Die Zukunft in unseren Händen), Greenpeace Norwegen und urgewald: Still Dirty, Still Dangerous: The Norwegian Government Pension Fund’s Investments in the Coal Industry, Mai 2015

[3] Liste der Institutionen, die sich zu Divestment von Kohle, Öl und Gas verpflichtet haben: https://gofossilfree.org/commitments/

Kontakt:

Heffa Schücking: Geschäftsführerin urgewald heffa@urgewald.org, +49 160 96761436

Tine Langkamp, Fossil Free Kampagnenkoordinatorin Deutschland, +49 151 70169509, tine@350.org

 

FacebookTwitter