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Danke für dein Interesse an der Fossil Free Kampagne. Wir können sicherlich nicht alle Fragen beantworten, aber einige, die uns öfter begegnen, haben wir hier zusammengetragen:

Wenn du dein Geld anlegen willst, dann investierst du in Aktien, Anleihen oder andere Vermögensanlagen, durch die Einnahmen erwirtschaftet werden. Universitäten (in Deutschland über unselbständige Stiftungen), religiöse Institutionen, Pensionskassen und andere Institutionen investieren auf ähnliche Weise Milliarden, um sich Einnahmen für ihre Betriebskosten zu verschaffen

Divestment ist das Gegenteil einer Investition. Es bedeutet, dass man sich von Aktien, Anleihen oder Investmentfonds trennt, die unökologisch oder unter ethischen Gesichtspunkten fragwürdig sind. Investitionen in fossile Brennstoffe stellen ein Risiko für Investoren und für den Planeten dar – darum rufen wir sämtliche Institutionen dazu auf, ihr Vermögen aus diesen Unternehmen abzuziehen.

Es gibt in der jüngsten Geschichte einige Beispiele für erfolgreiche Divestmentkampagnen, darunter Darfur, Tabak und andere, aber die größte und wirkungsvollste spitzte sich während der Apartheid in Südafrika zu. Bis Mitte der 80er Jahre hatten 155 Universitäten in den USA, darunter einige der höchst angesehenen, ihr Vermögen aus Unternehmen abgezogen, die in Südafrika wirtschafteten. Die Regierungen von 26 Bundesstaaten, 22 Landkreisen und 90 Städten, darunter einige der größten im Land, deinvestierten ihr Vermögen aus den multinationalen Unternehmen. Die südafrikanische Divestmentkampagne trug wesentlich dazu bei, dem Apartheidregime das Rückgrat zu brechen und eine Ära der Demokratie und Gleichberechtigung einzuläuten.

Wir wollen, dass die Leiter*innen öffentlicher Institutionen mit sofortiger Wirkung sämtliche neue Investitionen in fossile Brennstoffe stoppen und sich darüber hinaus von ihren bestehenden Kapitalanlagen fossiler Brennstoffe sobald wie möglich, spätestens aber innerhalb der nächsten 5 Jahre trennen. Dazu gehören Aktien, Mischfonds, Anleihen, Beteiligungen und sonstiges Kapital worüber die jeweilige Institution Verfügungsgewalt hat.

200 börsennotierte Unternehmen sind derzeit im Besitz des Großteils der verzeichneten Kohle-, Öl- und Gasreserven. Wir fordern, dass unsere Institutionen ihr Vermögen aus diesen Unternehmen abziehen. Die Forderungen, die wir an diese Unternehmen stellen, sind einfach, da sie die unbestreitbaren Fakten der Klimawissenschaften widerspiegeln:

  • Sie müssen umgehend aufhören, neue Kohlenstoffquellen zu suchen.
  • Sie müssen ihre Lobby-Arbeit, die darauf abzielt ihre Sonderbehandlung beizubehalten, einstellen.
  • Und am wichtigsten: Sie müssen sich verpflichten 80% ihrer derzeitigen, noch unter der Erde befindlichen Reserven dort zu belassen.

Divestment von den Top 200 Kohle-, Ö- und Gasunternehmen innerhalb von maximal 5 Jahren ist unsere Grundforderung. Allerdings ermutigen wir institutionelle Investoren, weitere ethische und ökologische Maßstäbe in ihre Investitionsstrategie aufzunehmen. Insbesondere Unternehmen des Atomsektors sollten nicht als “saubere” Alternative zu fossilen Brennstoffen gelten.

Wir bei 350.org arbeiten darauf hin, dass klimaschädliche, fossile Brennstoffe durch saubere, erneuerbare Energien ersetzt werden und nicht durch gefährlich strahlende Atomkraft. Sogar nach Jahrzehnten der Subventionierung von Atomkraft bleiben die sozialen und ökonomischen Kosten der Atomenergie erschreckend hoch, u. a. wegen des Potentials für katastrophale Atomunfälle und der Notwendigkeit massiver Bauprojekte. Die Kosten für Wind- und Solarenergie hingegen, fallen täglich: Solarmodule kosten 75% weniger als noch vor sieben Jahren. Doch die Kosten für Atomenergie steigen und die Probleme des Atomsektors ähneln denen der fossilen Brennstoffindustrie: extraktive Rohstoffförderung, Entsorgung gefährlicher Abfälle und zentralisierte Energiesysteme. Erneuerbare Energien bleiben die bessere Lösung, um den Klimawandel zu bekämpfen.

Diese Liste von Firmen des nuklearen Sektors wurde uns von unseren Freunde bei urgewald e.V. zur Verfügung gestellt. Sie kann eurer Uni, Stadt oder Kirche helfen ein sicheres und sauberes Portfolio zu erstellen.

Schon früher konnte die Strategie der Divestment große Erfolge verzeichnen, besonders im Kampf für ein Ende des Apartheidsregimes in Südafrika. Die ‘Fossil Free’ Divestment-Bewegung wird dazu beitragen, die öffentliche Akzeptanz sowie die politische Macht der fossilen Brennstoffindustrie zu schwächen und schließlich aufzuheben. Gleichzeitig wird auf dem globalen Markt die wichtige Debatte über die Nachhaltigkeit und langfristige Rentabilität von fossilen Brennstoffen sowie über die Notwendigkeit eines Übergangs zu einer Wirtschaft der sauberen Energien in Gang gesetzt. Letztendlich kann diese Kampagne dazu beitragen, eine neue Generation von Graswurzelaktivist*innen aufzubauen, die wiederum den nötigen Druck auf unsere politischen Führungskräfte in Sachen Klimawandel ausüben werden.

Divestment ist in erster Linie keine ökonomische Strategie sondern eine moralische und politische. Gleichzeitig gibt es jedoch sicherlich gewisse ökonomische Auswirkungen. Unsere Institutionen verfügen über beträchtliche finanzielle Mittel. Die Divestment aus Kohle, Öl und Gas wird somit die Rechtfertigungsgrundlage des Geschäftsmodells der fossilen Industrie in Frage stellen und entscheidend schwächen. Zeitgleich kann diese Strategie neue Impulse generieren, die verstärkte Investitionen in eine regenerative Wirtschaft basierend auf sozialer und ökologischer Gerechtigkeit möglich macht.

Infrastrukturprojekte der fossilen Brennstoffe zu stoppen ist wichtig. Kohlekraftwerke können Asthma verursachen und verpesten mit Quecksilber Luft und Wasser, Frackingflüssigkeit kann in das Grundwasser durchsickern und Erkrankungen hervorrufen, Pipelines können leck schlagen und so weiter. Wir können und sollten hinter den Menschen stehen, die an vorderster Front der Kämpfe gegen Projekte wie die Keystone XL Pipeline oder Kohlekraftwerke in Rheinland und Lausitz stehen. Denn ihre Gemeinden und unser Planet wird von diesen fossilen Projekten zerstöret und tragen zum Klimawandel bei.
Aber wir können die globale Erwärmung nicht an einer einzelnen Pipeline, einem Kraftwerk, Tagebau oder einem Frackingschacht stoppen, diese Rechnung geht einfach nicht auf. Während wir hart daran arbeiten, diese zerstörerischen Projekte aufzuhalten, müssen wir gleichzeitig darauf hinarbeiten unsere Regierungen und Finanzmärkte aus dem Klammergriff der fossilen Brennstoffindustrie zu lösen. Nur so erhalten wir uns die Chance, weiterhin auf einem Planeten zu leben, der dem ähnelt, auf dem wir jetzt leben. Es ist Zeit, das Übel an seiner Wurzel – nämlich den Kohle-, Öl- und Erdgasunternehmen – zu packen und sicherzustellen, dass wir sie dort treffen, wo sie empfindlich sind, z.B. bei ihren Aktienkursen.

Die Carbon Bubble bezeichnet die aufgeblähte Investitionsblase in fossile Brennstoffe. Sie ist das Ergebnis einer Überbewertung von Kohle-, Öl- und Gasreserven, die nicht berücksichtigt, dass der Großteil der fossilen Reserven einem hohen Risiko ausgesetzt ist, unverwertbar zu sein. Damit würden sie als sogenannte stranded assets stark oder gar ganz an Wert verlieren.

Bei diesem Risiko spielen verschiedene umweltbedingte Faktoren eine Rolle wie beispielsweise sinkende Kosten für Erneuerbare Energien, Veränderungen auf dem Energiemarkt, Wasserknappheit, Auswirkungen des Klimawandels, soziale Normen und Regulierungen zu Luftqualität und Klimaschutz. Wenn die Politik ihr erklärtes Ziel, die globale Erwärmung unter 2 Grad Celsius zu begrenzen, hält, bedeutet dies, dass uns noch ein CO2 – Budget von 565 Gt bleibt. Die fossile Brennstoffindustrie verfügt über das Äquivalent von 2.795 Gt CO2 in ihren derzeitigen Reserven – also fünfmal so viel. Das bedeutet, dass 80% der derzeit bekannten Erdöl-, Erdgas- und Kohlevorkommen nicht verbrannt werden können, um unter der 2-Grad-Marke zu bleiben. (Quelle: Carbon Tracker Initiative)

Würde die Carbon Bubble platzen, hätte dies verherrende Auswirkungen auf alle Märkte, auch auf die europäische Wirtschaft. Eine Studie im Auftrag der Grünen/ Europäischen Freien Allianz warnt davor, dass finanzielle Institutionen in Europa über €1 Milliarde dem Risiko der Carbon Bubble aussetzen.

Angesehene Expert*innen wie der britische Ökonom Lord Stern, die britischen Banken HSBC und Citi, die Internationale Energieagentur, Standard & Poor’s, Forbes, Bloomberg, die London School of Economics und die Smith School der Universität Oxford warnen vor den finanziellen Risiken von Investitionen in fossile Brennstoffe. HSBC spricht beispielsweise davon, dass 40-60% des Börsenkapitals von Öl- und Gasunternehmen der Carbon Bubble ausgesetzt sind. Die derzeit ausgewiesenen Vorkommen von fossilen Brennstoffen werden auf rund €16 Billionen geschätzt.

Verlorene Vermögenswerte (Engl.: Stranded Assets) sind ökonomische Ressourcen eines Unternehmens, die diesem jedoch keinen wirtschaftlichen Nutzen bringen. Im Falle der fossilen Brennstoffe bedeutet das, dass Umwälzungen auf dem Markt sowie dem Regulierungsumfeld, die auf die stärkere Ausrichtung auf eine kohlenstoffarme Wirtschaft zurückzuführen sind, eine Entwicklung zur Folge haben werden, die zukünftig fossile Brennstoffe wirtschaftlich unrentabel und somit für weitere Investitionen unattraktiv machen.

Divestment wirkt nicht vorrangig als wirtschaftliche Strategie, sondern vor allem auf der ethischen und politischen Ebene. Ähnlich wie während der Bürgerrechtsbewegung in den USA oder dem Widerstand gegen die Apartheid in Südafrika gilt: Je mehr wir die zutiefst ethischen Aspekte des Klimawandels in den Vordergrund rücken können, desto eher treiben wir die Gesellschaft zum Handeln an. Wir müssen klarstellen, dass, wenn es falsch ist den Planeten zu zerstören, es auch falsch sein muss, von dieser Zerstörung zu profitieren. Gleichzeitig entsteht durch Divestment auch politische Macht, da es einige der national angesehensten Institutionen und Individuen (von denen viele in den Aufsichtsräten wichtige Institutionen sitzen) zwingt Farbe zu bekennen. Divestment entfacht eine große Debatte und – wie wir bereits zum jetzigen Zeitpunkt der Kampagne beobachten – erlangt viel mediale Aufmerksamkeit, und drängt dadurch auf aktive Maßnahmen.

Gleichzeitig führt es ebenfalls zu gewissen wirtschaftlichen Auswirkungen. Inzwischen reagieren immer mehr große Insitutionen mit viel Kapital, wie Banken, Versicherer oder Kirchen auf die Divestmentkampagne. Kürzlich haben zwei Banken in Australien deinvestiert. Wenn man dann die großen staatlichen Pensionskassen hinzuzählt, dann sind wir auf gutem Wege ExxonMobil, Shell und Peabody in’s Schwitzen zu bringen.

Auch wenn das Veräußern von Aktienanteilen vielleicht keine unmittelbaren Auswirkungen für einen Mineralölhersteller hat, gerade wenn es sich um einen Riesen wie Exxon handelt, so sät es doch Verunsicherung, was die Wirtschaftlichkeit des Geschäftsmodells der Branche betrifft.

Die Gründe dafür sind folgende: Die Internationale Energieagentur hat berechnet, dass die fossile Brennstoffindustrie etwa 80% ihrer Kohle-, Öl- und Gasreserven nicht verbrennen darf, wenn die globale Erwärmung auf das 2°C Ziel begrenzt werden soll, ein Ziel auf das sich Deutschland und fast alle Länder der Erde geeinigt haben. Diese Reserven befinden sich zwar physisch noch unter der Erde, in die wirtschaftlichen Berechnungen wurden sie aber bereits einkalkuliert und gehen somit in den Aktienpreis jedes fossilen Unternehmens ein. Global gesehen beträgt der Wert dieser Reserven etwa 20 Billionen US Dollar, ein Vermögen das abgeschrieben werden muss, wenn die Regierungen endlich beschließen Kohlenstoffdioxid wie einen Schadstoff zu regulieren. Indem sie ihr Vermögen aus den fossilen Brennstoffen abziehen, leiten institutionelle Investoren nicht nur den Gesetzgeber zum Handeln an, sie entfachen auch eine wichtige Debatte um das potentiell “verlorene Vermögen” der fossilen Brennstoffindustrie.
Gleichzeitig, fördert die Divestment auch den Prozess hin zu Investitionen in saubere Energien, Gemeindeentwicklung und anderen nachhaltigen Maßnahmen. Gehen wir einmal davon aus, dass unsere Kampagne es erreicht, dass 1% der 400 Milliarden Dollar, die allein von den Stiftungsfonds der US-Universitäten gehalten werden, in nachhaltige Alternativen gesteckt werden. Das sind grob 4 Milliarden Dollar für neue Investitionen in beispielsweise Solarfonds, Umlaufkredite und zukunftsfähige Energieindustrie. Die Bewegung wächst und immer mehr Investoren befassen sich ebenfalls mit Divestment. Natürlich wird Divestment allein nicht genügen, um die saubere Energierevolution anzutreiben, aber die Kampagne kann helfen den Druck auf Regierungen und Entscheidungsträger*innen zu erhöhen, damit sie endlich handeln.

Wir alle sind mitschuldig, was den Verbrauch fossiler Brennstoffe betrifft und wir sollten alles dafür tun unseren eigenen Verbrauch zu reduzieren, aber die wahren Übeltäter, die das System manipulieren, sind die fossilen Brennsotffunternehmen. Die größten 200 Kohle-, Gas- und Ölunternehmen besitzen Reserven, die einen signifikanten Anteil am globalen Markt darstellen (1). Übrigens sind es eben diese Unternehmen, die Politiker gleich welcher Partei hier und weltweit am stärksten finanziell unterstützen, sie sind es die die Gesetze vordiktieren und, die jährlich von staatlichen Zuschüssen in Millardenhöhe profitieren (2). Es gibt noch viele weitere Unternehmen, die indirekt zum Klimawandel beitragen – multinationale Konzerne, die die Tiefbohrtechnik herstellen, Öl-Pipelines legen oder Kohle transportieren und natürlich Stromkonzerne, die Energie kaufen und handeln. Aber im Moment konzentrieren wir uns auf diese 200 Unternehmen. Eine vollständige Liste der Unternehmen und ihrer Reserven findest du hier.

Top 5 Kohlekonzerne

  1. Severstal JSC
  2. Anglo American PLC
  3. BHP Billiton
  4. Shanxi Coking Co. Ltd.
  5. Exxaro Resources Ltd.

Top 5 Mineralölunternehmen

  1. Lukoil Holdings
  2. Exxon Mobil Corp.
  3. BP PLC
  4. Gazprom OAO
  5. Chevron Corp.

(1) http://www.carbontracker.org/linkfileshare/Unburnable-Carbon-Full1.pdf
(2) http://endfossilfuelsubsidies.org/files/2012/05/fossilfuelsubsidies_report-nrdc.pdf

Nein. Keiner von uns hier bei 350.org ist ein* Finanzmarktexpert*in, aber wir haben mit vielen Divestmentexpert*innen gesprochen und sie haben uns einige Tipps gegeben. Es kann hilfreich sein, die Telefonnummer oder E-Mail Adresse eines Ökonomen, Bankberaters oder Finanzanalysten parat zu haben, aber es ist nicht absolut notwendig. Um eine Kampagne zu starten, brauchst du nur den Divestment Kampagnenleitfaden herunterzuladen, ein Team aus Freund*nnen und Kolleg*innen zusammenzustellen und mit der Arbeit anzufangen! Tine im 350.org-Büro in Deutschland koordiniert die Kampagne auf Bundesebene. Du kannst sie jederzeit kontaktieren. Sie wird eure Fragen gerne beantworten und euch im Verlauf eurer Kampagne unterstützen – ihr erreicht sie unter tine(AT)350(DOT)org

Eine häufige Erklärung von Sachbearbeiter*innen und manchmal sogar der Hochschulleitung und Aufsichtsratsmitgliedern ist “Wir können nicht deinvestieren, weil wir nicht einmal wissen, wo unser Geld investiert wird. Und selbst wenn wir es wüssten, könnten wir diese Informationen nicht veröffentlichen, weil das unsere Gewinne schmälern würde.”
In diesem Fall kannst du deinen Joker ausspielen. In vielen Bundesländern in Deutschland gibt es das sogenannte Informationsfreiheitsgesetz (IFG). Mit einer Anfrage nach dem IFG kannst du Institutionen dazu bringen, ihre Finanzinformationen offenzulegen. Das hat für einige Fossil Free Gruppen in Deutschland schon gut funktioniert. Hier findest du ein Musteranschreiben nach dem IFG, auf das deine Institution antworten muss.

Wenn du trotzdem nicht an die Finanzinformationen kommst, ist das gar nicht so schlimm. Die Kampagne kann trotzdem weitergehen. Es ist zwar möglich, dass die Sachbearbeiter*innen nicht darüber in Kenntnis sind, welche Aktien oder Anleihen sie zu einem Zeitpunkt X besitzen, aber die Sachbearbeiter*innen und der Aufsichtsrat beschäftigen Banken und Vermögensverwalter*innen, die wissen wo das Geld investiert wird und wohin nicht. Wenn deine Institution tatsächlich aus den fossilen Brennstoffen deinvestieren will, muss sie ihrer Banken und Vermögensverwalter*innen das einfach nur mitteilen.

Treffer versenkt.

Manchmal ist es auch sinnvoll die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Tatsache zu lenken, das Leiter*innen von Institutionen oder Aufsichtsräte versuchen ihre Investitionen geheim zu halten, aber lass dich dadurch nicht von dem Umstand ablenken, dass sie diejenigen sind, die Änderungen veranlassen und nicht die Vermögensverwalter*innen bei den Banken. Der Aspekt der Transparenz kommt erst später richtig zum Tragen, nämlich dann, wenn du die Entscheidungsträger*innen bereits für die Sache gewonnen hast. Dann ist es wichtig, sie und ihre Vermögensverwalter*innen zur Befolgung ihres Divestmentversprechens anzuhalten.

Es stimmt zwar, dass Aktien von fossilen Unternehmen außerordentlich gewinnbringend sind (die Top 5 Ölunternehmen haben im letzten Jahr zusammen 137 Milliarden US Dollar Rendite erwirtschaftet, das sind 375 Millionen US Dollar am Tag), es handelt sich bei ihnen aber auch um sehr riskante Investitionen (1). Das Geschäftsmodell der fossilen Brennstoffunternehmen ist grundsätzlich darauf ausgelegt, fünf Mal mehr CO2 in die Atmosphäre auszustoßen als unsere Zivilisation vertragen kann, weshalb ihre Aktienkurse fünf Mal höher liegen, als real angemessen wäre. Darüber hinaus führen Umweltdesaster wie die Ölkatastrophen der Exxon Valdez oder der BP Ölplattform im Golf von Mexiko in Kombination mit massiven Angebots- und Nachfrageschwankungen auf dem Kohle, Öl und Gasmarkt dazu, dass die Energiemärkte besonders unberechenbar und damit risikoreich sind.

Viele Berichte haben gezeigt, dass Investitionen in erneuerbare Energieprojekte in Bürgerhand, Energieeffizienz und nachhaltige Technologien sogar profitabler sein können als fossile Brennstoffe (2). Der Markt wächst ständig und im letzten Jahr wurden bereits 260 Milliarden US Dollar weltweit investiert. Es ist also auch für deine Institution sicher, in diesen Markt einzusteigen (3).

Nebenbei gibt es zahlreiche Möglichkeiten Vermögen lokal in Mikrokrediten wieder anzulegen und diese helfen oft deiner Stadt oder Kommune und schaffen wertvolle Arbeitsplätze. Projekte, die sich mit Energieeffizienz oder Solarenergie befassen, haben zwar hohe Vorlaufkosten, sparen Institutionen aber auf lange Sicht Geld, denn Elektrizitäts- , Heiz- und andere Kosten werden merklich reduziert.

(1) http://www.ceres.org/resources/reports/sustainable-extraction-an-analysis-of-sec-disclosure-by-major-oil-gas-companies-on-climate-risk-and-deepwater-drilling-risk/view

(2) http://www.forbes.com/sites/mindylubber/2012/03/20/investors-are-making-money-on-renewable-energy/

(3) http://www.reuters.com/article/2012/01/12/us-clean-tech-investment-idUSTRE80B1NX20120112

Aktionär*innen können effektiv kleinere Reformen innerhalb eines Unternehmens anstoßen. Beispielsweise hat der Druck auf Apple, mit dem Ziel bessere Arbeitsbedingungen bei seinen chinesischen Subunternehmern durchzusetzen, Erfolg gezeigt. Im letzten Jahrzehnt gab es auch Versuche über derartiges “Engagement” das Verhalten der fossilen Brennstoffindustrie zu verändern. Auch wenn es dabei zu kleineren Teilerfolgen kam – zum Beispiel wenn Nachhaltigkeitsleitsätze eingeführt wurden – gab es bisher keine Beschlüsse, die Lösungen für das Grundproblem der Industrie bereitgehalten hätten: die enormen Mengen CO2, die sie immer noch unbehelligt in die Atmosphäre ausstößt.

Für klimafreundliche Resolutionen abzustimmen ist ebenfalls eine gute Sache, löst aber nicht das Problem. Wissenschaftler erklären, dass 80% der derzeitigen Reserven der fossilen Brennstoffunternehmen unter der Erde bleiben müssen, um eine Erderwärmung über 2°C zu verhindern. Dieses Ziel lässt sich tatsächlich erreichen, aber für entsprechende Maßnahme würde keine Aktionärsgruppe jemals freiwillig stimmen. Zwar könnte Exxon auch dann weiterhin als Energieunternehmen Profite einfahren, wenn es sein riesiges Vermögen und seine Expertise für erneuerbare Energien einsetzen würde. Aber die Geschäftsführer*innen werden nur dann so handeln, wenn gesetzliche Reglementierungen sie dazu drängen, von alleine werden sie derartige Maßnahmen nicht ergreifen.

Deswegen ist es Zeit für Divestment. Wir müssen deutlich machen, was derzeit auf dem Spiel steht: Die fossile Brennstoffindustrie zerstört die Lebensgrundlage unseres Planeten und es ist falsch von dieser Zerstörung zu profitieren. Divestment ist eine wirkungsvolle Maßnahme, die den Gesetzgeber zum Handeln anleitet und gleichzeitig wirtschaftlich klarstellt, dass unser Vermögen in die Lösung anstatt in das Problem investiert werden sollte. Hätten wir diese Kampagne vor 30 Jahren begonnen, dann wären von Aktionär*innen initiierte Reformen das Mittel der Wahl gewesen. Da sich aber das Handlungsfenster, das uns bleibt, bald verschließen wird, müssen wir jetzt unverzüglich und mutig handeln. Divestment ist vielleicht manchmal ein unangenehmer Schritt, aber es ist der richtige und wird sehr viel mehr Wirkung zeigen als jegliche Aktionärsresolution, die wir je durchbringen könnten.

Eine Divestmentkampagne zu starten, ist ganz einfach. Als erstes trägst du dich auf gofossilfree.org für unsere Updates ein. Schau dir als nächstes unsere Karte aller bisher beteiligten Universitäten und anderer Institutionen an, die bereits Divestmentkampagnen am Laufen haben und melde dich über das einfache Kontaktwerkzeug bei den lokalen Organisatoren. Falls noch keine Kampagne bei dir vor Ort besteht, dann trage deine Universität hier ein und lade dir den Leitfaden herunter.

Eine gute Art, bei dir vor Ort eine Kampagne zu starten, ist erstmal ein informelles Treffen mit den Vermögensverwalter*innen oder dem Investitionsausschuss deiner Zielinstitution zu organisieren. Danach könntest du eine Petition starten, die sich den Entscheidungsträger*innen vornimmt. Ein sinnvoller nächster Schritt ist dann Bürger*innen, Kund*innen der Institution oder die Studierendenschaft für die Sache zu gewinnen, indem du Infosessions abhältst oder Poster aufhängst oder auf andere Weise öffentlich Informationen zum Thema verbreitest.

Die Arbeit, die sich anschließt, wird nicht immer aufregend sein. Vielleicht werden einige von euch, bevor wir Erfolg haben, temporär im Gefängnis landen, aber lange davor wird die Arbeit trockener und härter sein. Besprechungen, Petitionen, Kundgebungen und all jene Aufgaben, die für eine*n Organisator*in an einer Universität, in einer Stadt, in einer Gesellschaft oder auf dem Planeten so anfallen. Einiges davon wird unangenehm sein, wenn es darum geht, von redlichen Menschen eine Änderung ihrer Lebensweise einzufordern. Aber dies ist der Kampf unserer Generation und wir werden bei jedem Schritt hinter dir stehen: divest@350.org.

Während Graswurzelbewegungen überall im Land die Institutionen ergreifen, nehmen auch viele Privatpersonen die Sache in die Hand und entscheiden sich, ihr eigenes Vermögen aus fossilen Brennstoffen abzuziehen. Und das ist großartig!

Die fossilen Unternehmen werden derzeit stark überbewertet und, da die internationale Gemeinschaft hin zu strengeren Emissionsregulationen strebt, kann Divestment gleichzeitig eine gute Langzeitanlagestrategie als auch der ethisch richtige Schritt sein.

Alle Informationen zum privaten Bankwechsel mit Empfehlungen für die 4 nachhaltigsten Banken findest du hier:
http://bankwechsel-jetzt.de/

Das nicht so Kleingedruckte dabei: Die Fossil Free Kampagne und 350.org geben keine Investitionsempfehlungen ab, sondern halten nur Informationen über mögliche Alternativen zu Anlagen in fossile Brennstoffe bereit. Privatpersonen sollten jegliche Alternativen auf ihre persönliche Angemessenheit prüfen.

350 Teilchen pro Million (ppm = parts per million) halten vielen Wissenschaftler*innen, Klimaexpert*innen und Regierungen für die sichere Obergrenze an CO2 in unserer Atmosphäre. Die beschleunigte Erwärmung der Arktis und andere Klimaeffekte haben Wissenschaftler*innen schlussfolgern lassen, dass wir uns mit unseren derzeitigen fast 400ppm bereits oberhalb der sicheren Zone befinden. Wenn wir es außerdem nicht schaffen schnellstmöglich innerhalb dieses Jahrhunderts auf unter 350ppm zurückzukehren, gehen wir das Risiko ein, kritische Kippunkte zu erreichen, nach denen die Effekte wie das Schmelzen der grönländischen Eisdecke und die massiven Methanemissionen aus Permafrostböden irreversibel sein werden.

Mehr zu den wissenschaftlichen Hintergründen von 350 findest du hier: 350.org/science

Do the Math ist ein etwa 45 Minuten langer Film, der sehr spannend und einleuchtend erklärt, was hinter der Kampagne steckt. Hier ist ein Link zum Film mit deutschen Untertiteln.

Um die ernste Lage der Klimakrise zu begreifen, muss man nur eine simple Rechnung aufmachen. Fossile Brennstoffunternehmen besitzen 5 Mal mehr Öl, Gas und Kohle in ihren bekannten Reserven als die Menge, die Wissenschaftler*innen für noch sicher zu verbrennen halten. Wir müssen 80% der Reserven unter der Erde belassen, um die Erde in einer bewohnbaren Form zu erhalten.
Hier sind die drei Zahlen, die du nicht vergessen solltest:

2 Grad – Fast alle Regierungen der Welt haben sich darauf geeinigt, dass jegliche Erwärmung über 2°C unsicher wäre. Wir haben die Temperatur bereits jetzt um 0.8°C erhöht und allein das hat weitaus mehr Schaden angerichtet, als die meisten Wissenschaftler*innen erwartet haben. Die Hälfte der Sommereisdecke in der Arktis ist verschwunden, die Ozeane sind um 30% saurer und, da warme Luft mehr Wasserdampf hält als kalte, sind die Klimawürfel zugunsten zerstörerischer Fluten und Dürren gezinkt.

565 Gigatonnen – Wissenschaftler schätzen, dass die Menschheit noch etwa 565 weitere Gigatonnen an CO2 in die Atmosphäre ausstoßen kann, wenn sie die 2°C Grenze nicht überschreitenmöchte. Computersimulationen zeigen, dass selbst wenn wir heute den CO2-Ausstoß komplett einstellen würden, die Temperatur noch um weitere 0.8°C steigen würde, zusätzlich zu den 0.8°C, um die wir die Erde bereits erwärmt haben. Das bedeutet, das wir bereits 4/5 des Spielraums bis zur 2°C-Grenze ausgereizt haben.

2795 Gigatonnen – Die Carbon Tracker Initiative, ein Team von Londoner Finanzanalysten, schätzt, dass die verzeichneten Kohle, Öl, und Gasreserven der fossilen Brennstoffunternehmen und jener Länder, die sich wie solche verhalten (man denke an Venezuela oder Kuwait) zusammen etwa 2795 Gigatonnen an CO2 entsprechen, also fünf Mal soviel wie die Menge, die wir noch ausstoßen können, bevor wir die 2°C-Grenze erreichen.

Einwände gegen Divestment und Antworten